Die Hochsbahnstation Rödingsmarkt liegt heute an der Stelle der einstigen Kirche des Hospitals zum Heiligen Geist. Bis zum Jahre 1832 erstreckten sich die Hospitalsgebäude von der Kaakstwiete bis zum Graskeller; auf dem gleichen Gelände steht heute das Gebäude der Oberfinanzdirektion. Das Hospital ist urkundlich zuerst 1246 erwähnt, doch bereits früher gestiftet worden. Eine Kapelle wurde 1308 errichtet und 1559 durch einen Kirchenbau an der Nordseite des Hospitals ersetzt: einen gedrungenen massigen Backsteinbau mit schweren, Kupferdach, auf dem ein Dachreiter thronte. Zwischen die wuchtigen Strebepfeiler schoben sich nach und nach leichte Fachwerkhäuschen, die den Eindruck der Schwere wesentlich milderten. Leider lag die Kirche so tief, daß jedes Hochwasser sie unbenutzbar machte. Nach vielen Sperrungen wurde sie 1805 endgültig geschlossen und die Inneneinrichtung öffentlich verkauft. Die Gebäude links der Kirche waren zur Auf­nahme von Kranken und zur Beherbergung von Pilgern bestimmt. Die Insassen wurden von den Barfußmönchen des Marien-Magdalenen-Klosters betreut; der von ihnen benutzte Zugangsweg, der »Mönkedamm«, behielt auch nach der Reformation seinen Namen. Peter Suhr zeichnete das Blatt uns 1828 und berichtete über das Hospital: »Es ist eine der reichsten Hamburgischen Stiftungen; sie hat außer einigen Ländereien mehrere Vermächtnisse und immerwährende Renten. 150 Be­wohner, größtenteils weiblichen Geschlechts erhalten darin tägliche Beköstigung und Verpflegung«. Die zeitgenössische Hausordnung des »Hospitals zum Heiligen Geist«, die dem »Eintretenden« bei seiner Aufnahme vorgelesen und durch zweimalige Wiederholung ins Jahr in Erinnerung gerufen wurde, weist in ihren Paragraphen auf eine strenge Zucht hin: »Es soll sich Jeder eines unsträflichen Wandels, gottseliger Gedanken, Worte und Werke, und täglicher Andacht be­fleißigen … Auch soll Niemand sich unterfangen zu betteln, was den Vorstehern und diesem Hause zum unverdienten Vorwurfe und Verkleinerung, so wie allen Genossen dieses Hospitals zum Schimpf und Ärgernis gereichen würde … Es soll Jeder sich in seinem täglichen Leben eines ehrbaren, bescheidenen, ordentlichen, fleißigen und stillen Wandels befleißigen, Fluchen, Schwören, leichtfertiges Wesen, Lottospiel, Völlerei und Trunk fern von sich sein lassen, die Ordnung des Hauses auch nicht durch Gestattung unnötigen und unzeitigen Aufenthalt fremder, das heißt, nick zum Hospital gehörigen Personen stören. — Damit auch Aufsicht, Ordnung und Sicherheit ins Hause möglich bleibe, soll Niemand ausgehen und ausbleiben, ohne vorherige Abrede mit dem Oeconom oder dessen Ehefrau, viel weniger ohne ausdrückliche Erlaubniß nach 9 Uhr ins Winter und 10 Uhr ins Sommer, Abends das Haus verlassen oder gar Nachts außerhalb desselben bleiben, so wie Niemand nach obiger Abendzeit eingelassen werden soll«. Da ist auch die Konsequenz nicht verwunderlich, daß »so Einer, der sich dieses Hauses unwürdig gemacht, … aus demselben weggewiesen wird.« Das rechts ins Bild dargestellte Gasthaus für arme Reisende und Pilger wurde 1609 erbaut und, nachdem ein neues Gasthaus für den gleichen karikativen Zweck am Neuen Wall errichtet worden war, 1830 abgebrochen. Die übrigen Gebäude wurden 1831 für 6760.— Mark verkauft und im Laufe des Jahres 1832 abgetragen. Auf ihrem Platz stand bereits drei Jahre später ein neues Stiftsgebäude. 1880 schließlich wurde nach den Plänen des Archi­tekten Hugo Grothoff an der Ecke des Eilbeker Wegs und der Richardstraße das neue Hospitalgebäude erbaut, während der Platz ans Rödingsmarkt nun den Büros der Steuerdeputation, später der Oberfinanzdirektion, diente. Das von 1907 bis 1910 nach dem Entwurf des Ingenieurs Albert Erbe — von ihm stammt auch das Museum für Völkerkunde an der Rothenbaumchaussee — errichtete Gebäude kostete 1 876 000 Mark. Der ins Werk- und Backstein ins Stil der Zeit gestaltete Halb­rundbau hat im Zweiten Weltkrieg nur geringfügige Schäden erlitten und ist daher heute noch — bis auf die abgetragene Gesimskrönung über dem Hauptportal — in seiner ursprünglichen Form zu sehen.