Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bestatteten die christlichen Einwohner der Hansestadt ihre Toten gewöhnlich mitten unter den Lebenden. Dort wo man sich alltags zur Andacht versammelte, wo man sonntags den Gottesdienst feierte, dort ruhten auch – und das schon seit Jahrhunderten - die Vorfahren in der Erde. Man begrub sie in den Kirchen und auf den Kirchhöfen, im Herzen der Stadt, mitten zwischen ihren belebten Straßen, Wohnhäusern und Arbeitsstätten. Bestattet wurde im Kirchensand oder in den Kirchengrüften, also im Fußboden der Kirche selbst oder in darin ausgemauerten kellerartigen Gräbern. Arme Leute bestattete man allerdings zu mehreren zusammen in einer großen Grube auf dem Kirchhof. Seit dem Mittelalter war der Glaube an die Auferstehung der Grund dafür gewesen, daß man nach dem Tode einen Platz so nah wie möglich beim Altar erwerben wollte.

Platzmangel 

Die Gräber in den Kirchen waren so unregelmäßig im Kirchenfußboden angeordnet, wie sich ihre Lage im Laufe der Zeit ergeben hatte. Aber sie waren alle nach Osten,  nach Jerusalem, ausgerichtet. Später wurden sie oft zu Grüften und manchmal zu regelrechten Grabkellern ausgemauert. Manche besonders reiche Familien ließen sich sogar eigene Grabkapellen errichten. Bald reichten jedoch die beschränkten Flächen der Kirchen nicht aus, um die große Menge der Toten aufzunehmen. Immerhin wurde über fünfhundert Jahre lang in und um die Kirchen bestattet.

 

 

 

 

Die Friedhöfe werden verlegt Mit dem Anwachsen der Bewohnerschar brachten jedoch die vielen Toten in der Stadt ein Problem mit sich, das man sich kaum noch vorstellen kann: Es stank in den Kirchen. Besonders unangenehm wurde dieser Verwesungsgeruch, wenn die regelmäßige Ausräumung der Gräber anstand. So lautete es: Verlegt die Toten aus der direkten Nähe der Lebenden, wenn ihr nicht eure Gesundheit massiv gefährden wollt!  So brachen die ersten Protagonisten schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Tradition des Kirchenbegräbnisses und kauften z.B. Gräber auf den Dorffriedhöfen in Hamburgs Umgebung. Noch waren es nur wenige Grabstätten, doch die Kirchenvorsteher machten sich schon darüber Gedanken. Jedes außerhalb von Hamburg verkaufte Grab minderte schließlich die Einnahmen ihrer Kirchenkassen. Die Kirchengemeinden waren nur ungern bereit, auf ihre einträglichen Grabverkäufe zu verzichten. Obwohl man nun in Hamburg neue Begräbnisplätze besaß, die den hygienischen und gefühlsmäßigen Anforderungen der “neuen” Zeit entsprachen, blieben die Kirchenbeerdigungen weiterhin erlaubt. Am Sylvestertag des Jahres 1812 fand dann aber die letzte Beerdigung auf einem innerstädtischen Friedhof statt.