Der Hauptsammelplatz der unglücklichen Vertriebenen war Altona. Neben Lübeck und Bremen.

Ottensen

Diejenigen die sich in Richtig Altona wandten, strömten zunächst auf den Gasthof von Herrn Rainville zu. Dieser gab den Menschen selbstlos und kostenlos Obdach und verpflegte sie auf eigene Kosten. Er teilt allein vom 26. Dezember bis 5. Januar 1814 ca. 18.000 Portionen Brot und Suppe aus. Vom 8. bis 17 Januar weitere 25.692 Portionen. Am 10. Februar meldete er  unglaubliche 44.422 Portionen.

Altona

Der erste Aufnahmeort der Vertriebenen war eine Scheune. Eine besondere Schwierigkeit war die Sorge für die Vertriebenen. Es mußte gesorgt werden für die Speisung der Armen und die Pflege der Kranken. Für die Menschen konnte nicht genug Betten und nicht einmal genug Stroh herangebracht werden. Allein in Altona verstarben 1138 Menschen. Begraben wurden sie auf einer Wiese in Ottensen. Die Wiese wurde befriedet und wurde benannt:

"Gottesacker der vertriebenen Hamburger, zu einem bleibenden Denkmale der schrecklichen Cattastrophe, dessen meiste Opfer hier ruhen."

Lokal, genannt die Badeanstalt

In der Badeanstalt fanden etwa 200 Personen Zuflucht. Besonders Alte & Gebrechliche, die in Altona nicht unterkommen und nicht mehr weiter reisen konnten, wurden hier aufgenommen.

Generalbericht

Im zweiten Generalbericht des Comites wird berichtet, daß man etwa 1290 Personen (517 Familien) mit Geld ausstatte um ihnen eine Weiterreise zu ermöglichen. Bis zum 1. Febrauar 1814 wurden in Altona etwa 5000 Menschen weitergeleitet. Am 1. März sind es 6002 Personen. Am 15 März 7645 Personen. Am 22. März 9392 Personen. Am 12. April 10.477 Personen.

Weitere Orte in Altona die Menschen aufnahmen

  1. Ein Seitengebäude der ehemaligen Knaustschen Fabrik in der Bergstraße. (etwa 100 Personen)
  2. Die vormalige Herrnhuter Kirche. (Dort sterben etwa 2/3 aller Aufgenommenen.)
  3. Waisenhaus (216 Personen)
  4. Hospital in Bergstraße (130 Personen)
  5. Armenhaus auf der Reeperbahn (200 Personen)
  6. Krankenhaus
  7. Hebammeninstitut

Entbindungsanstalt

"Die Frauen werden [...] 14 Tage nach ihrer Entbindung in der Regel entlassen; allein nicht immer kann dies bey dem enträfteten Zustande der armen Hamburgerinnen in Anwendung gebracht werden, die in Kummer und Sorge meistentheils die Zeit ihres Schwangerseyns verlebt haben."

Die Krankheiten der Vertriebenen

"Was die Krankheiten selbst in allen diesen Anstalten betrift, so schien nach dem Gutachten des Herrn Dr. Fischer bey der strengen Kälte die Fieber bösartig zu werden, die Diarrhoen in Ruhren sich zu verwandeln, und wir fürchten einige Tage, daß diese Krankheiten um sich greifen möchten, da sogar die Aufwärter davon angegriffen werden [...]""Was die Krankheiten selbst betrifft, so bestehen solche, nach dem Referat des Herrn Dr. Fischer, in rein catharralischen und gallicht-catharrralischen Fiebern [...]"

"Diese Leiden, nach dem Referat des Herrn Dr. Jentzen, mehrentheils an Thypus oder dem Nervenfieber, und der Säugling sowohl wie der Greis sind davon ergriffen [...]"

"Kranke, die mit dem Nervenfieber befallen, sind [...] 188. Gestorben sind daselbst seit 8 Tagen, 56. Von diesem aber, nach der Versicherung des Arztes, ein Dritttheil an dem erwähnten Fieber. Die Uebrigen, wie fast in allen Aufnahme-Anstalten, vor Altersschwäche, oder als Opfer der veränderten Lage, deren Wechsel ihre Kräfte unterlagen. "[...] allein dennoch ist uns bekannt, daß z.B. in Lübeck unter den dahin gelangten Vertriebene eine propotionell noch größere Mortalität, besonders veranlaßt durch Nervenfieber, herrscht."

Die Menschen sind wandelnde Denkmäler der Leidensgeschichte Hamburg: Am 8. März befinden sich in Altona noch etwa 6000 lebende, arme & vertriebene Hamburger die unterstütz werden. In der Heynsche Scheune steigt die Gesamtzahl der Verstorbenen auf 750 Personen.